1. Männer Junger Kader, großer Auftritt: Eider knapp am Coup vorbei

Was macht man mit so einem Spiel? Rundum zufrieden sein über eine richtig tolle kämpferische Leistung oder doch enttäuscht über die verpasste Chance, einen oder sogar zwei Punkte mitzunehmen? Die Handball-Männer der HSG Eider Harde haben in buchstäblich letzter Sekunde ihr Heimspiel gegen die Füchse Berlin II mit 24:25 (11:12) aus der Hand gegeben. Ein Saisonauftakt in der 3. Liga Nord-Ost wie ein Wechselbad der Gefühle. Eider-Trainer Matthias Hinrichsen möchte von Enttäuschung überhaupt nichts wissen. Vor allem nicht nach einer Partie gegen einen Gegner, der im Vorjahr Dritter in der Abschlusstabelle wurde und der jedes Jahr eine Handvoll der besten Talente Deutschlands im Kader hat.
Hinrichsens Gefühlslage nach dem Krimi ist folgende: „Viel bitterer kann man zwar nicht verlieren als kurz vor Ende durch einen Gegenstoß. Und trotzdem hatte ich richtig Spaß.“
Hinrichsen: „Ich spüre, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und das spüren die Spieler auch. Klar, im Angriff passieren uns noch viele Fehler, manchmal wirken wir wie das Kaninchen vor der Schlange. Es ruckelt noch ordentlich. Und trotzdem haben wir heute wirklich alle verstanden, worum es geht: Wir schaffen es nur gemeinsam. Das habe ich auch von der Tribüne gespürt. Auch unsere Fans haben verstanden, dass wir diese Saison in der 3. Liga nur zusammen bestehen. Wir brauchen diese Verbindung zu den Rängen. Alle müssen an diese Geschichte glauben.“
Zum Sportlichen: Kein Team konnte sich absetzen, mal führte die HSG, öfter aber die Gäste. In der Crunchtime lag die HSG mit 24:23 vorne nach einem spektakulären Kempa-Tor von Jesse Kock. Die Halle stand Kopf.
Dann ereignete sich die spielentscheidende Szene, als der Ball einen Wimpernschlag zu früh bei den Füchsen landete, die ihre allerletzte Chance auf den Auswärtssieg nutzten. Hinrichsen gibt die Szene im Analysemodus wieder: „Wir müssen durch diesen Lernprozess, das gehört dazu. So eine Situation passiert – wichtig ist, dass wir daraus lernen. Das passiert uns so schnell nicht wieder, bin ich mir sicher.“
Was den Gesamtauftritt der Eider-Handballer bemerkenswert macht, ist der stark verjüngte Kader, mit dem sie den Gegner an den Rand einer Niederlage brachten. Auf Halblinks wirbelte mit Oskar Wichmann ein A-Jugendlicher, phasenweit zeitgleich mit dem Rückraum-Rechten Thure Bielfeldt, der ebenfalls noch bei den A-Junioren ran darf. Beide wurden gelenkt von der zentralen Figur im Eider-Angriff: Finn-Luca Bies.
Der Spielmacher gab das Tempo vor und traf selbst regelmäßig. Richtig stark stand auch die Abwehr der Gastgeber, die sich womöglich sogar noch gefestigter präsentierte als in der Vorsaison: Max Dau und Jannis Schneider hielten den Mittelblock wie gewohnt dicht, während der junge Bielfeldt auch defensiv auf der Halbposition auffiel.
Im Kasten zeigte Jorge Schmidt eine überragende Vorstellung, während sich Kollege Jonas Haack gleich mehrere Siebenmeter schnappte. Hinrichsen: „Ich gehe jede Wette ein, dass die Füchse in dieser Saison kein zweites Mal nur 25 Tore werfen. Auch deswegen war das unterm Strich ein richtig schöner Abend. Es macht Spaß zu sehen, wie wir uns Stück für Stück weiterentwickeln. Nochmal: Wir sind auf dem richtigen Weg.“
Schmidt, Haack; T. Heckel (2), Kock (2), Schneider (2), Ohm-Abelmann (4/2), Frahm, Bies (6), Hamann (2), Rohwer, M. Dau (2), P. Dau, Wichmann (1), Bielfeldt (3), Jonas, Schatz