1. Männer Auswärtstrip wird zur Herausforderung

Es gibt Gesetze, die keiner aufschreibt – und trotzdem hält sich jeder daran. Nutella kommt nicht in den Kühlschrank. Auf die Bratwurst gehört Senf. Und Amateur-Handballer mögen keine Sonntagsspiele. Im Fall der HSG Eider Harde, die trotz ihrer Drittliga-Zugehörigkeit aus waschechten Hobbyhandballern besteht, kommt an diesem Sonntag erschwerend hinzu, dass sie zu ihrem Auswärtsspiel beim EHV Aue (Anwurf: 17 Uhr, live auf www.sporteurope.tv) mehr als 600 Kilometer anreisen muss.
Üblicherweise tragen die Auer Handballer ihre Heimspiele samstags aus. Weil diesmal die Drittliga-Fußballer vom FC Erzgebirge Aue am Samstag den VfL Osnabrück empfangen, hat der EHV seine Partie auf Sonntag geschoben. Zum Leidwesen der Schleswig-Holsteiner, die mit drei Kleinbussen anreisen werden, um auf der Rückfahrt etwas Zeit zu sparen. Was wohl Eider-Trainer Matthias Hinrichsen von der Ansetzung hält?
„Desto näher die Partie rückt, desto unverständlicher finde ich die Anwurfzeit. Aber wir müssen es nehmen, wie es kommt. Es wäre schön, wenn wir unseren Ärger in Energie auf der Platte umwandeln können“, sagt Hinrichsen. Grundsätzlich gilt für den Coach wie auch für seine Mannschaft: Das Auswärtsspiel in der Erzgebirgshalle gehört zu den Highlights der Saison. Mit über 1.000 heißblütigen Fans kann sich die Halle in Lößnau schon mal in eine Hölle verwandeln. Der EHV gilt als enorm heimstark – ein echtes Pfund, mit dem die Handballer aus dem Erzgebirge bereits in ihrer gut 30 Jahre langen Zweitliga-Epoche wuchern konnten. Die Auer waren jahrelang als der Dino der 2. Liga bekannt. Aber auch Dinos müssen mal sterben, das weiß man im Osten der Republik genauso gut wie im Norden.
Nach Startproblemen in die Saison – vor dem Hinspiel gegen die HSG Eider Harde hatte der EHV schon sieben Minuspunkte auf dem Konto – hat sich die Mannschaft gefangen, man könnte sogar von einer Mannschaft der Stunde sprechen. Seit neun Partien hat das Team des erfahrenen Trainers Uwe Jungandreas keinen Punkt mehr abgegeben. Hinrichsen hat großen Respekt vor der Körperlichkeit der Gastgeber, die unter professionellen Bedingungen trainieren können. Dreh- und Angelpunkt im Angriff des EHV ist der estnische Nationalspieler Mihkel Löpp. Hinrichsen: „Wir wollen gegenhalten, aber vor allem wollen wir dieses Spiel auf unsere Art genießen. Mal sehen, was dabei herausspringt.“
Infos zum Gegner
EHV Aue
Tabellenplatz 3, 31:9 Punkte
15 Siege, 1 Remis, 4 Niederlagen
662 Tore, davon 68 Siebenmeter, 566 Gegentore
Beste Torschützen: Rechtsaußen/Rückraum Francisco Pereira 135/50 Tore, Rückraum Justin Döbler 110, Rückraum Mihkel Löpp 83
Meiste Zeitstrafen: Torben Lange mit 14 in 20 Spielen